Kunstmuseum aan zee Collecties van
de Vlaamse Gemeenschap
en
Stad Oostende
null 13/05/2018 - 16/06/2019
JAMES ENSOR - Träume aus Perlmutt

Ensor aus der Sammlung KMSKA in Ostende

James Ensor ist weltweit bekannt: Museen, Sammler und Kunstfreunde auf der ganzen Welt interessieren sich für seine grenzüberschreitende Kunst. Lange bevor dieser Begriff ein modisches Klischee wurde, war Ensor mit Sicherheit schon ein „Game Changer“. Seine Kunst steht jedoch noch viel zu oft im Schatten der beliebten Geschichte von dem seltsamen menschenscheuen Kauz am Klavier in seinem Oostender Kuriositätengeschäft.
Der innovative Charakter von Ensors Gemälden, Radierungen und Zeichnungen ist eine unmittelbare Folge seines Wunsches, fast systematisch die unterschiedlichsten Techniken und Darstellungsweisen auszuprobieren und anzuwenden. In einem Brief an den Kunstkritiker Pol De Mont schrieb er bereits 1894: „J’ai étudié attentivement les manières les plus opposées” (Ich habe aufmerksam die unterschiedlichsten Stile studiert). Ensor hat bis ins hohe Alter sein Streben nach künstlerischer Vielfalt, die Suche nach verschiedenen stilistischen, ikonografischen oder technischen Alternativen immer wieder verteidigt. Nur so könne es einem Künstler gelingen, sein Publikum zu entzücken. Genau das war letztendlich Ensors Ziel. Es ging ihm um die Glückseligkeit, die er erlebte, wenn er seine Brüsseler Freunde zum Deich mitnahm, um ihnen die wundersame (oder wie Ensor es zu formulieren pflegte: wunderbarhaftige) Schönheit des Meeres zu zeigen. Von dieser Glückseligkeit träumte er auch, wenn er inspiriert von dem Perlmutt einer kleinen Muschel religiöse Szenen, Landschaften oder Stillleben malte. Um gleichzeitig der großen Diversität und dem unterschwelligen künstlerischen Zusammenhang seines Oeuvres gerecht zu werden, wird Ensors Werk in drei thematische Ensembles aufgeteilt:
(1) Landschaften und fantastische Kompositionen, bei denen der Künstler nach erhabenen Bildern sucht. Quasi-abstrakte Darstellungen der durchleuchteten Nebel über dem Meer, des turbulenten Chaos’ beim Fall der aufständigen Engel, die vom Blitz getroffen werden, ein märchenhafter kindlicher Umzug einer Musikkapelle in den Straßen von Oostende, die spektakuläre Vertreibung von Adam und Eva aus dem irdischen Paradies, sowie die mysteriöse Stille über den Dächern der Häuser in Oostende. 
(2) Inspiriert von Maeterlinck und Jan van Ruusbroec bezeichnete Ensor „die Farbe als Ornament unserer geistigen Hochzeit”. Deshab ist das Stillleben für Ensor der Prüfstein eines echten Koloristen. Ensor malte von 1880 bis 1941 ungefähr 700 Gemälde, über ein Drittel davon waren Stillleben. Für Ensors Freund, den Dichter und Kritiker Emile Verhaeren, war sogar Die Austernesserin (1882) in erster Hinsicht ein kolossales Stillleben. Das Gemälde steht deshalb auch im Mittelpunkt des Ensembles der Stillleben aus der Zeit von 1880 bis in die 1930er Jahre.
(3) Ensors Zeitgenossen hielten seine Darstellungen von jungen Bürgerinnen in Interieurs (Die Austernesserin, Der Burgersalon, Nachmittag in Oostende) für eine Ode an den intimen Charme und die Häuslichkeit ihres Lebensbereichs. „Die Frau” ist aber auch die Hauptfigur in grotesken Maskeraden wie Das Erstaunen der Maske Wouse (1889) oder Die streitenden Skelette (1891).
Das Ensor Research Projekt
2013 startete das Koninklijk Museum Antwerpen das Ensor Research Projekt, bei dem Ensors kreative Prozesse u. a. mit Hilfe neuster Bildtechniken (Infrarotreflektografie, Röntgen, Portable X-Ray Reflectography) untersucht werden. Das ERP-Team erhielt inzwischen Verstärkung von Mitarbeitern des Mu.ZEE. Bisher wurden die Gemäldesammlungen des KMSKA, des Mu.ZEE und des MSK Gent, sowie eine Privatsammlung untersucht. In der neuen Ensor-Ausstellung werden die ersten Zwischenergebnisse dieser Untersuchung präsentiert.
Die neue Ensorausstellung besteht fast ausschließlich aus Gemälden und Zeichnungen aus der Sammlung des Koninklijk Museum voor Schone Kunsten in Antwerpen. Das Museum verfügt mit 38 Gemälden und rund 650 Zeichnungen nicht nur über die größte, sondern auch die allerbeste Ensor-Sammlung. Sie ist direkt oder indirekt auf das große Interesse von Antwerpener Sammlern wie François Franck, Albin und Emma Lambott und der Kunstfreunde und Mitglieder des Ausstellungsvereins Kunst van Heden (1905-1955) zurückzuführen. Aber auch der Hauptkonservator Walther Vanbeselaere (1948-1973) war von ausschlaggebender Bedeutung für die Qualität der Antwerpener Ensor-Sammlung. Dass sich das Antwerpener Museum im Laufe der Jahre zu dem Ensor-Wissenszentrum schlechthin entwickelt hat, ist ebenso Vanbeselaere zu verdanken. 
In den vergangenen Jahren wurde die Antwerpener Ensor-Sammlung in New York, Chicago, Los Angeles, Tokio, Basel, Kopenhagen und Utrecht ausgestellt. Das KMSKA stellt dem Mu.ZEE 26 Gemälde als langfristige Leihgabe zur Verfügung. Außerdem werden wechselnde Ensembles mit Zeichnungen ausgestellt. Für diese neue Präsentation hat die KMSKA den Bürgersalon restauriert mit Unterstützung der Nationalen Lotterie. "

 



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13/05/2018 - 16/06/2019
9 € Einzelbesucher
7,50 € Gruppen ab 15 pp, 65+
1 € Jugend von 13 bis 26 Jahren
Kostenlose Kinder bis 12 Jahre

Kombiticket mit den anderen Ausstellungen in Mu.ZEE:
12 € Einzelbesucher
10 € Gruppen ab 15 pp, 65+
1 € Jugend von 13 bis 26 Jahren
Kostenlose Kinder bis 12 Jahre