Kunstmuseum aan zee Collecties van
de Vlaamse Gemeenschap
en
Stad Oostende

Ein Dialog mit der Sammlung

Wir sind uns dessen vielleicht nicht mehr bewusst, aber der öffentliche Raum in Belgien verfügt über eine beträchtliche Anzahl an Denkmälern, die sich auf die koloniale Vergangenheit des Landes beziehen. Diese Denkmäler stehen noch heute und reichen thematisch von der Glorifizierung des Freistaats von König Leopold II. bis zur Unabhängigkeit des Kongo im Jahr 1960. Jan Kempenaers hat vierzig davon ausgewählt und fotografiert. Die Gesamtheit kann als eine Bestandsaufnahme betrachtet werden – als eine Sammlung von Skulpturen, die einst zur Selbstrechtfertigung des Systems aufgestellt wurden. Jan Kempenaers ist kein Archivar, kein dokumentarisch arbeitender Fotograf, sondern ein Künstler auf der Suche nach der ultimativen Skulptur. Manchmal werden die Denkmäler in ihrer Gesamtheit gezeigt, manchmal nur Teile davon. Durch die Schwarz-Weiß-Fotografien kommt es zu einer Abstraktion und einer Verschmelzung von Denkmal und Hintergrund. Kempenaers macht keine prunkvollen Bilder von diesen Denkmälern, die deren Legitimität untermauern. Die Fotoserie stellt vielmehr eine Hinterfragung ihrer Stellung dar. Was erzählen uns diese Skulpturen heute über die Vergangenheit? Sind sie in unserem öffentlichen Raum noch zu Hause? Ab dem Jahr 2006 reiste Jan Kempenaers durch die Nachfolgestaaten Jugoslawiens und bildete abstrakte kommunistische Denkmäler ab, die in der Landessprache „spomenici“ genannt werden. Diese phantasievollen Skulpturen stehen verstreut in der Landschaft, meist an abgelegenen Orten auf Bergen und in Wäldern, wo es zu Kämpfen zwischen der Partisanenarmee von Feldmarschall Tito und den Besatzern gekommen war. Der von Kempenaers unter dem Namen „Spomenik“ veröffentlichte Bildband rückte die Skulpturen wieder ins Bewusstsein und damit auch die damit in Zusammenhang stehenden Erzählungen und ihre einstige und aktuelle Bedeutung.

Jan Kempenaers bringt diese Sammlung von Kolonialdenkmälern in einen Dialog mit einigen Skulpturen aus seiner Spomenik-Reihe sowie mit Kunstwerken aus der Sammlung des Mu.ZEE. Dazu erschien in Zusammenarbeit mit Roma Publications auch eine Publikation, die diesen Dialog in seiner Gesamtheit darstellt.



Übersicht über aktuelle Ausstellungen »

28/04 - 13/10/2019