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Panamarenko und Zeitgenossen: Joseph Beuys, Marcel Broodthaers, Jef Geys, Hugo Heyrman, Bernd Lohaus & Bruce Nauman

Panamarenko (1940-2019). In seiner Heimatstadt Antwerpen wird eine Rückblende organisiert, und eine Anzahl belgischer Museen werden sich auch im Jahr 2020 dazu verpflichten, auf Panamarenko in besonderer Weise aufmerksam zu machen. Mu.ZEE verwaltet eine Anzahl von zentralen Werken des Künstlers und zeigt mit 'Learn to imitate the flight of birds' eine Auswahl davon, im Dialog mit Werken u. a. von Joseph Beuys, Marcel Broodthaers, Jef Geys, Hugo Heyrman, Bernd Lohaus und Bruce Nauman.

Antwerpen, um 1965. Zusammen mit Hugo Heyrman organisiert Panamarenko eine Reihe von Aktionen und Veranstaltungen auf der Straße. Diese Aktionen - von Panamarenko werden sie als Milkyway Happenings bezeichnet - werden von der Veröffentlichung von Happening News begleitet, einer Serie von sieben Ausgaben, die aus Collagen beider Künstler besteht. Die Collagen und Happening sind untrennbar miteinander verbunden. Bei den Collagen handelt es sich um aus ihrer Zeit zurückgelassene Dokumente. Sie verströmen den schwülen Zeitgeist, der die 1960er Jahre so typisiert. Die Welt lehnte sich gegen die etablierte Ordnung auf, und der Mai 1968 wurde zum Momentum. Hier und da werden Friedensdemonstrationen gewaltsam unterdrückt. Zur gleichen Zeit findet ein wahnsinniges Rennen in den Weltraum statt. Plötzlich ist das Universum 'zugänglich' geworden. Er ist nicht länger der Ort, an dem jedermann seine Träume ausleben kann, denn diese 'Freistätte' wird jetzt von Kosmonauten, Astronauten und einem Hund berührt und beschnuppert. Neben der großen Faszination für die amerikanische Popkultur reflektiert Happening News auch Panamarenkos steigende Leidenschaft für Wissenschaft und Technologie. Auf der allerersten Collage, die der Künstler in den Happening News veröffentlicht, lesen wir: ‚Learn to imitate the flight of birds‘ (Lernen Sie, den Flug der Vögel zu imitieren) Wir sehen Vögel, ein Klappfahrrad von Raleigh, komplizierte wissenschaftliche Berechnungen, Astronauten, einen Luftballon,... 

Die von Panamarenko und Heyrman gemeinsam veranstalteten Milkyway Happenings werden in regelmäßigen Abständen unterbrochen und von der Polizei gestoppt. Von ihren Aktionen inspiriert, eröffnete Anny De Decker im Jahre 1966 nach eigenen Worten den Galerieraum Wide White Space, um einen Ort zu kreieren, an dem die Happenings ungestört stattfinden können. Die erste Ausstellung wird mit einem Milkyway Happening eröffnet, aber auch mit visuellen Arbeiten von Panamarenko, Hugo Heyrman und Bernd Lohaus. Wide White Space entwickelte sich in den späten 60er Jahren und in den 70er Jahren zu einem wichtigen Ort innerhalb der Antwerpener und damit der belgischen Kunstszene und bringt nationale und internationale Künstler zusammen. Panamarenko lernt Bernd Lohaus, aber auch Bruce Nauman, Joseph Beuys und Marcel Broodthaers kennen. 

Die Milkyway Happenings prägen Panamarenkos frühe Suche als Künstler, als Astronaut, als 'Happy-Space-Maker", als Multimillionär. Eng im weißen Anzug zeichnet der Künstler an öffentlichen Vorführungen und bemerkt, dass seine Person leicht angenommen wird. Ende der 1960er Jahre lässt Panamarenko die Happenings hinter sich und konzentriert sich nur auf die Forschung, die ihn wirklich beschäftigt. Doch schwört er auf die Identität, die er sich selbst geschaffen hat. Schrittweise tauscht er den Multimillionärs-Anzug gegen den eines Soldaten aus. Fortan trägt er ein Armeekostüm, das an die russische Armee erinnert, inklusive einer Fünf-Sterne-Mütze. Kunst ist ein Erlebnis. Die 'Einstellung' nährt die Vorstellungskraft ebenso wie die Aktionen und Kunstwerke selbst. 

Am besten kennen wir Panamarenko in seiner Forschung über alle Arten von fantastischen Bootsmodellen, Wagen und Flugmaschinen, die alle seiner Vorstellungskraft entspringen. Die von ihm entwickelten Maschinen sind ein Sinnbild für menschliche Kreativität und ein Hebel für individuelle Träume. Ausgetüftelte Poesie heißt das Ergebnis. Nicht ihre Funktionsweise fasziniert ihn, sondern die 'Intention' und das 'Potential'. Er ist am glücklichsten, wenn er mitten in den Bauprozess eingebunden ist, weit weg von allen Fragen der Machbarkeit und Realisierbarkeit. 

Panamarenkos größter Traum ist es, wie die Vögel fliegen zu können. ‚Learn to imitate the flight of birds‘  Ca. 1984-86 entwirft Panamarenko einige Rucksack-Flugmodelle, mit der Inspiration, die er sich von James Bond in Thunderball und Captain Kirk von Star Trek holte. Diese Helden verfügten über Ein-Mann-Flugzeuge. Panamarenkos Maschinen werden durch den Menschen angetrieben und durch Schubelemente auf dem Rücken in der Luft gehalten. Auch der Pastille-Motor ist davon abgeleitet. Diese Werke sind ein Symbol für das Streben des Künstlers nach einer wahren Symbiose zwischen Mensch und Natur.


Ein sehr auffälliges Modell ist das des Fliegenden Tigers, Fliegende Zigarre (1978). Dieses Raumschiff kann sich außerhalb der Atmosphäre bewegen und bezieht seine Energie aus der Wirkung von Magnetfeldern. Der Titel (Flying Tiger) bezieht sich auf die klassische Ufologie, aber auch auf den Spitznamen The American Volunteer Group, ein Kampfpilotenteam, das 1941 und 1942, kurz nach Pearl Harbor, in Südasien und China aktiv war. 


Eines der berühmtesten Modelle Panamarenkos ist der Aeromodeller, das erste Luftschiff, das er um 1969-71 baute. Auf der Documenta V in Kassel 1972 ist das riesige Schiff zu sehen. Mit dem Zeppelin verkörpern die Künstler den Traum, sich jederzeit frei in der Luft bewegen zu können. Er sieht es als ein auf den Wolken schwebendes Haus. Panamarenko versucht 1971, die Lufttüchtigkeit des Zeppelins auf der Wiese von Jef Geys in Balen zu testen. Der Testflug hat als Ziel, Sonsbeek, etwa 130 Kilometer entfernt in den Niederlanden, zu erreichen. Die niederländische Luftfahrtpolizei verbietet den Überflug. Durch einen aufkommenden Sturm auf der Wiese scheitert sogar der Versuch des bloßen Abhebens. 

 

 



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